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Di, 4.2.2020 12 Projektionen für 2020 (Teil 2)

Um zu wissen, worum es hier geht, solltest Du das Vorwort gelesen haben.

Februar: Van der Grinten IV

Van der Grinten IV
Urheber Alphons J. van der Grinten (1904)
Gruppe Sonstige
Eigenschaft Vermittelnd
Andere Namen

Der Entwurf, den wir heutzutage van der Grinten IV nennen, wurde 1904 von Alphons J. van der Grinten vorgestellt, zusammen mit seinem »Bruder« van der Grinten I (van der Grinten II und III sind Variationen von I, die 1912 Alois Bludau entwickelt wurden).
Während der van der Grinten I extrem beliebt wurde (wir kommen am Ende dieses Blogposts noch einmal kurz darauf zurück), wurde die Nr. IV … nun ja, soweit ich weiß, wurde sie nie irgendwo benutzt, höchstens in Dokumenten, die unterschiedliche Kartenprojektionen auflisten.


by Pezibear at Pixabay

Vielleicht liegt das an der ungewöhnlichen Form, die van der Grinten apfelschnittförmig genannt hat. Und wenn Du dir einen durchgeschnittenen Apfel anguckst, verstehst Du, wie er darauf gekommen ist.

 


by Marek Kultys
[CC BY-SA]

Mich selbst erinnert diese Form eher an die Telophase der Zellteilung – und wenn Du Dir das hier gezeigte Bild anschaust, verstehst Du, wie ich darauf gekommen bin.
Während die Form sicherlich ungewöhnlich ist, ist sie nicht einzigartig. Tatsächlich gibt es eine Handvoll von derartigen Entwürfen, bei denen die Welt umschlossen ist von zwei sich überlagernden Kreisen oder Ovalen – einen davon werden wir im September-Teil dieser Serie begegnen.
(Und hey, vielleicht sollte ich sie die telophasischen Projektionen nennen? Das hat doch was! Hmmmm…)

 

Wie die anderen drei wurde der van der Grinten IV wurden geometrisch konstruiert, die entsprechenden mathematische Formeln wurden erst Jahrzehnte später entwickelt. Da außer dem Äquator und dem Zentralmeridian, welches gerade Linien sind, alle Meridiane und Breitenkreise Kreissegmente sind, lässt sich das komplette Gradnetz nur mit Hilfe von Lineal und Zirkel zeichnen, außerdem stehen Äquator und Zentralmeridian im korrekten Längenverhältnis – »Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit«, bin ich da versucht zu sagen. 😉

Die Winkelverzerrungen sind moderat, aber es gibt beachtliche Größenverzerrungen, besonders in den »Ecken« der Karte. Alaskaner sollten begeistert sein. Insgesamt gefällt mit diese Projektion besser als sein berühmter Bruder. Nichtsdestoweniger würde ich sie wohl nur empfehlen, wenn man eine ungewöhnliche Karte haben möchte.
Für den Kalender wollte ich ja einige ungewöhnliche Karten haben, also war der van der Grinten IV eine gute Wahl.

Wie am Anfang versprochen, möchte ich nun noch einmal ganz kurz auf den berühmten van der Grinten I zu sprechen kommen. Diese Projektion wurde im 20. Jahrhundert in mehreren Atlanten benutzt – und auch heute noch ist es schwierig, wenn man nach einer Weltkarte sucht, die man sich an die Wand hängen möchte, nicht zu über den van der Grinten I zu stolpern.
Der originale Entwurf sieht so aus:

Und nun rufst Du wahrscheinlich: »Häää? Wovon redet der, ich habe noch nie eine Wandkarte wie diese gesehen!« Und ja, vermutlich hast Du damit sogar Recht, denn Grintens erste Projektion wird meistens folgendermaßen verwendet:

Wie Du siehst, wird die Projektion oben und unten beschnitten, während rechts und links Wiederholungen zu sehen sind. Ersteres wahrscheinlich, um Platz zu sparen und die enormen Vergrößerungen nahe der Pole zu umgehen, und letzteres… tja, da kann ich nur vermuten: Um die Karte rechteckig zu gestalten. Aus irgendeinem Grunde scheinen Menschen rechteckige Weltkarten zu lieben. Google einfach mal nach Kommentaren zur AuthaGraph-Karte und es wird nicht lange dauern, bis Du jemanden findest, der die Karte lobt und sagt: »Und rechteckig ist sie auch!«

Es gibt so viele Projektionen, von denen man sich eine aussuchen kann, aber wenn es um Wandkarten geht, greifen die Hersteller wieder und wieder auf den beschnittenen Grinten I mit Wiederholungen zurück.
Seltsam.

Das war es soweit. Wie im letzten Monat kann ich auch nun wieder sagen, dass wir das nächste Mal eine ganz andere Projektion sehen werden.

Die topografischen Bilder wurden erzeugt mit SimpleDEMViewer unter Verwendung von ETOPO1-Höhendaten. Projektion auf van der Grinten IV mit Geocart.

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